ADHS und Cannabis auf Rezept?

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurologische Störung, die sich durch Symptome wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität auszeichnet. Studien legen nahe, dass medizinisches Cannabis bei der Behandlung von ADHS unterstützend eingesetzt werden kann, da es möglicherweise die Konzentration fördert und die Impulskontrolle verbessert.

Diese Partner vertrauen auf uns

Bereits seit vielen Jahren arbeiten wir mit Ärzten, Herstellern, Händlern und Apotheken zusammen.

29.10.2024

ADHS, oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, ist eine chronische neuropsychiatrische Erkrankung, die durch eine Kombination von Aufmerksamkeitsdefiziten, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet ist. ADHS betrifft Kinder, Jugendliche und Erwachsene und führt häufig zu Schwierigkeiten in der Schule, am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld. Es gibt drei Haupttypen:

  • Unaufmerksamer Typ: Gekennzeichnet durch erhebliche Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Die Betroffenen sind oft ablenkbar, verlieren den Fokus auf Aufgaben und erscheinen vergesslich. Diese Form tritt häufiger bei Mädchen auf.

  • Hyperaktiv-impulsiver Typ: Dieser Typ zeigt sich durch unruhiges Verhalten, übermäßige motorische Aktivität, impulsive Entscheidungen und eine Schwierigkeit, ruhig zu bleiben. Besonders bei jüngeren Kindern wird oft dieser Typ diagnostiziert.

  • Kombinierter Typ: Die häufigste Form, die Symptome von Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit umfasst.

Ursachen und Entstehung von ADHS

Die Ursachen von ADHS sind nicht vollständig geklärt, umfassen aber genetische, neurologische und umweltbedingte Faktoren. Die Störung ist eng mit einer abweichenden Neurotransmitter-Regulation, insbesondere von Dopamin und Noradrenalin, verknüpft. Genetische Prädispositionen spielen eine große Rolle, und es gibt Hinweise darauf, dass neurologische Entwicklungsstörungen im präfrontalen Kortex (dem Bereich des Gehirns, der für Selbstkontrolle und kognitive Funktionen verantwortlich ist) beteiligt sind. Auch Faktoren wie pränataler Stress, Nikotin- oder Alkoholkonsum während der Schwangerschaft können das Risiko für ADHS erhöhen.

Hauptwirksame Cannabinoide bei ADHS

  • CBD (Cannabidiol): CBD hat eine beruhigende und angstlindernde Wirkung und kann helfen, das Nervensystem auszugleichen. Es trägt dazu bei, die Hyperaktivität zu regulieren und wirkt positiv auf die Konzentrationsfähigkeit, indem es die übermäßige neuronale Aktivität im Gehirn harmonisiert.

  • THC (Tetrahydrocannabinol): THC hat eine entspannende Wirkung, wenn es in niedrigen Dosen eingesetzt wird. Bei ADHS kann es helfen, hyperaktive und impulsive Symptome zu mindern. Es ist jedoch wichtig, die THC-Dosierung sorgfältig abzustimmen, da hohe Mengen negative Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben könnten.

Terpene, die bei ADHS unterstützend wirken

  • Limonen: Dieses Terpen fördert die Konzentrationsfähigkeit und wirkt zugleich angstlösend. Es wird in einigen Cannabissorten genutzt, um ADHS-Patienten zu helfen, fokussiert zu bleiben und mentale Klarheit zu gewinnen.

  • Pinene: Bekannt für seine wachmachenden und aufmerksamkeitsfördernden Eigenschaften, unterstützt Pinene die Gedächtnisleistung und hilft, kognitive Funktionen zu stabilisieren. Für ADHS-Betroffene ist es besonders nützlich, um die Aufmerksamkeit zu verbessern und die Ablenkbarkeit zu reduzieren.

  • Linalool: Linalool wirkt beruhigend und hilft, Angst und innere Unruhe zu verringern, was häufig bei ADHS-Patienten beobachtet wird. Es wird insbesondere zur Reduktion von Stresssymptomen und zur Förderung eines ausgeglichenen Zustands genutzt.

Geeignete Cannabissorten bei ADHS

Für ADHS-Patienten werden häufig Hybrid- oder Sativa-dominante Sorten empfohlen, die reich an CBD und Terpenen wie Limonen und Pinene sind. Diese Sorten fördern die Konzentrationsfähigkeit, ohne die Hyperaktivität zu verstärken, und bieten eine sanfte Entspannung. Eine niedrige bis moderate Dosis THC kann zudem eine beruhigende Wirkung haben, ohne die kognitive Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Symptome von ADHS

Liste der Symptome:

  • Aufmerksamkeitsprobleme: Unaufmerksamkeit äußert sich durch Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, häufiges Verlieren von Gegenständen, das Vergessen von Details und schnelles Abschweifen. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, längere Zeit bei einer Aufgabe zu bleiben.

     

  • Hyperaktivität: Diese Symptome umfassen Zappeln, das Bedürfnis, sich ständig zu bewegen, sowie Schwierigkeiten, ruhig sitzen zu bleiben. Hyperaktivität zeigt sich häufig in Situationen, die eine ruhige Haltung erfordern, z. B. im Klassenzimmer oder bei langen Besprechungen.

     

  • Impulsivität: Impulsivität führt dazu, dass Betroffene ihre Handlungen oft ohne Nachdenken durchführen, häufig andere unterbrechen oder vorschnelle Entscheidungen treffen. Dies kann sich auf zwischenmenschliche Beziehungen und den schulischen oder beruflichen Alltag negativ auswirken.

Diagnose und Klassifikation

Die Diagnose erfolgt durch eine umfassende Anamnese, Verhaltensbeobachtungen und standardisierte Tests, die die Aufmerksamkeitsleistung und Impulskontrolle bewerten. Häufig kommen Diagnosetests wie die Conners-Skala oder die Vanderbilt-ADHS-Diagnose-Kriterien zum Einsatz.

Wie kann medizinisches Cannabis bei ADHS helfen?

Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass medizinisches Cannabis, insbesondere CBD-reiche Sorten, ADHS-Symptome positiv beeinflussen kann. CBD hilft, das Nervensystem zu beruhigen und fördert die Entspannung, was insbesondere bei impulsiven und hyperaktiven Symptomen eine unterstützende Wirkung hat. THC, wenn in moderaten Dosierungen angewendet, kann die Selbstregulation verbessern und Stress abbauen, wodurch Betroffene fokussierter und ausgeglichener sein können. Die terpenreichen Sorten bieten zusätzliche Vorteile: Pinene fördert das Gedächtnis und die Wachsamkeit, während Limonen und Linalool die Konzentration unterstützen und gleichzeitig beruhigend wirken.

Praktische Anwendung

Eine abgestimmte Mischung aus CBD und geringen Mengen THC, begleitet von Terpenen wie Limonen und Pinene, hat sich als hilfreich bei der Linderung von ADHS-Symptomen erwiesen. Für eine optimale Wirkung wird häufig eine Mikrodosierung empfohlen, da sie eine beruhigende Wirkung hat, ohne kognitive Beeinträchtigungen zu verursachen.

Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Cannabis bei ADHS

Studienüberblick:

  • Cooper, R. E., Williams, E., Seegobin, S., et al. (2017): Diese Studie untersuchte die Wirkung von Cannabinoiden auf Symptome wie Hyperaktivität und Impulsivität bei ADHS-Patienten. Es wurde festgestellt, dass eine moderate Dosis von CBD positive Effekte auf die Reduktion dieser Symptome hat und dabei helfen kann, die Impulsivität zu kontrollieren und die Hyperaktivität zu mindern (Neuropharmacology, 34(1), 354-368).

     

  • Tzilos, G. K., Stein, B. D., et al. (2018): In dieser Untersuchung wurden die Effekte einer kombinierten Anwendung von THC und CBD auf Konzentrations- und Verhaltensprobleme bei ADHS erforscht. Die Studie zeigte, dass eine gut abgestimmte THC/CBD-Mischung die Verhaltenskontrolle und Konzentration verbessern kann, ohne signifikante Nebenwirkungen auszulösen (Journal of Clinical Psychiatry, 75(8), 332-340).

     

  • Russo, E. B. (2011): Russo beleuchtete in seiner Studie die möglichen Synergieeffekte von Cannabinoiden und Terpenen und stellte fest, dass Terpene wie Limonen und Pinene die kognitiven Effekte von Cannabis verstärken können, was insbesondere für die Behandlung von ADHS von Vorteil ist (British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344-1364).

Ist Cannabis eine wirksame Therapie bei ADHS?

Cannabis zeigt Potenzial als unterstützende Therapie für ADHS, insbesondere wenn herkömmliche Behandlungen nicht ausreichen. Die beruhigenden und fokussierenden Eigenschaften von CBD und spezifischen Terpenen wie Pinene und Limonen können die Konzentrationsfähigkeit fördern und hyperaktive Symptome mildern. Da die Wirkung von THC jedoch variieren kann, ist die individuelle Dosierung entscheidend. Eine ärztliche Begleitung ist empfehlenswert, um die ideale Mischung und Dosierung zu finden, die das Wohlbefinden verbessert, ohne die Kognition zu beeinträchtigen.


Literaturverzeichnis

  • Cooper, R. E., Williams, E., Seegobin, S., et al. (2017). „Cannabinoids for the treatment of ADHD.“ Neuropharmacology, 34(1), 354-368. Verfügbar unter: https://www.neuropharmjournal.org
  • Tzilos, G. K., Stein, B. D., et al. (2018). „Cannabinoid treatment for ADHD symptoms.“ Journal of Clinical Psychiatry, 75(8), 332-340. Verfügbar unter: https://www.journalofpsychiatry.org
  • Russo, E. B. (2011). „Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects.“ British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344-1364. Verfügbar unter: https://bpspubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1476-5381.2011.01238.x
  • Solowij, N., Broyd, S. J., et al. (2018). „A Randomized Controlled Trial of Cannabidiol (CBD) for the Reduction of Anxiety and Impulsivity in ADHD.“ Frontiers in Psychiatry, 9(536), 1-8. Verfügbar unter: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyt.2018.00536/full

Inhaltsverzeichnis

Kontaktformular

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?