Was sind Cannabinoide zunächst einmal?

Bei Cannabinoiden bzw. Phytocannabinoiden handelt es sich um chemische Verbindungen, die in verschiedenen Variationen in der Pflanze Cannabis Sativa L. vorkommen. Zwar produzieren andere Pflanzen ebenfalls Cannabinoide, jedoch weder in der gleichen Weise noch im gleichen Ausmaß wie die Cannabispflanze. Eine Cannabis Sativa Pflanze enthält um die 500 organischen Verbindungen, wovon 85 zu der Gruppe der Cannabinoide gehören.

Aktuell stammen die Cannabisblüten mit medizinsicher Qualität aus den Niederlanden oder Kanada. Das Cannabis wird nach Deutschland von verschiedenen Unternehmen importiert. Zwar wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin (BfArM) eine Cannabisagentur eingerichtet, es ist aber nicht damit zu rechnen, dass vor 2019/2020 Cannabisblüten aus Deutschland verfügbar sind.

Cannabinoid Beschreibung Wirkungsspektrum
Delta-9-Trans-Tetrahydrocannabinol (THC) Das THC ist eines der am besten erforschten Cannabinoide aus der Cannabispflanze. Diesem Cannabinoid wird auch die psychoaktive Wirkung zugesprochen. In der Cannabispflanze selbst liegt THC hauptsächlich als THC-Säure (THCA) vor. Erst durch die Decarboxylierung und Trocknung der Pflanze entsteht THC. Bisher ist der volle Wirkmechanismus von THC noch nicht geklärt. Das Cannabinoid dockt an die Rezeptoren CB1 und CB2 an. Bindet sich THC an die CB1-Rezeptoren, so hat dies Auswirkungen auf das ZNS, was Glücks- und Entspannungsgefühle auslösen und zur Schmerzlinderung beitragen kann. Zudem konnte in Tiermodellen gezeigt werden, dass THC auf die 5-HT3-Rezeptoren antagonistisch wirken, die am Brechreiz beteiligt sind.

THC kann bei jedem unterschiedlich wirken und ist abhängig von der individuellen körperlichen und psychischen Verfassung. Auch die THC-Konzentration spielt hier eine wichtige Rolle.

 

Psyche: Wohlbefinden, Euphorie, verstärktes Wahrnehmungsgefühl, Angst (Zunahme oder Abnahme)

Denken/Sprache: Erhöhte Konzentrationsfähigkeit, gesteigerte Kreativität, Sprachintensivierung, Beeinflussung des Kurzzeitgedächtnisses

Nervensystem: Muskelentspannend, appetitanregend, brechreizhemmend, schmerzlindernd

Magen/Darm: Verminderte Produktion der Magensäure und Darmbewegung

Augen: Rötung der Bindehaut, Senkung des Augeninnendrucks

Herzkreislaufsystem: Erweiterte Blutgefäße, gesteigerter Blutdruck und Herzfrequenz

Immunsystem: Entzündungshemmend und antiallergisch

Cannabidiol (CBD) CBD ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Es handelt sich hierbei um ein nicht psychoaktives Cannabinoid, dass vorwiegend im oberen Teil der Cannabispflanze vorkommt. In der Cannabispflanze selbst liegt CBD als Säure vor (CBDA). Umgewandelt wird es erst durch Erhitzung.

Die Erforschung der CBD-Wirkung befindet sich noch am Anfang, doch gibt es zahlreiche Anwendungsgebiete.

antiseptisch

schmerzlindernd

antidepressiv

antibakteriell

entkrampfend

entzündungshemmend

schlaffördernd

angstlindernd

Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) THCA ist eine Cannabinoidsäure, die durch Decarboxylierung in das psychoaktive THC umgewandelt wird. Die Cannabinoidsäure ist hingegen nicht psychoaktiv. Spanische Forscher stellten im Jahr 2017 fest, dass THCA ein neuroprotektives Potenzial aufweist. Infolge dessen scheint es für die Behandlung von verschiedenen Erkrankungen wie Alzheimer, Multipler Sklerose, Huntington, und Morbus Parkinson interessant zu sein – und das ohne psychoaktive Wirkung.
Tetrahydrocannabivarin (THCV) THCV besitz eine ähnliche Struktur wie THC und bindet sich ebenfalls an die CB1 und CB2 Rezeptoren. Forscher fanden heraus, dass THCV – abhängig von der Dosierung – eine agonisierende oder aber antagonisierende Wirkung auf den CB1 Rezeptor haben kann. So scheinen kleine Mengen THCV den Rezeptor zu blockieren (antagonisieren) und höhere Mengen ähnlich wie THC einen agonisierenden Effekt zu haben. Dementsprechend kann THCV als weiteres psychoaktives Cannabinoid angesehen werden.

Interessant ist eine Studie aus Großbritannien, die an der University of Buckingham durchgeführt wurde. THCV scheint das Potenzial zu besitzen, entzündungshemmend und antiepileptisch zu wirken. Zudem soll THCV eine neue potentielle Behandlungsoption gegen Fettleibigkeit-assoziierte Glukoseintoleranz sein.

Cannabidiolsäure (CBDA) Wenn die Cannabispflanze wächst, produziert sie natürliche Säuren wie das THCA oder eben das CBDA. Erst durch die Decarboxylierung wird CBDA in CBD umgewandelt. Dem CBDA wird in der Forschung aktuell nicht viel Aufmerksamkeit zuteil. Es wird aber angenommen, dass CBDA ein gewisses Gesundheitspotenzial aufweist und entzündungshemmend wirken kann.
Cannabidivarin (CBDV) CBDV ist das Propyl-Pendant zu CBD sowie das Pendant von THC das THCV ist. Ebenso wie CBD ist auch CBCV nicht psychoaktiv. Im Jahr 2013 führten Wissenschaftler der University of Reading in Großbritannien eine Studie an Mäusen und Ratten durch. CBDV-reiche Extrakte können demnach stark krampflösende Eigenschaften haben.
Cannabichromen (CBC) CBC ist nicht psychoaktiv und entsteht durch die Umwandlung mithilfe von Enzymen aus dem Vorgängerstoff CBG. Es ist bisher noch nicht geklärt worden, ob CBC eine Wirkung auf die Cannabinoidrezeptoren hat. Jedoch wird angenommen, dass CBC unterschiedliche pharmakologische Wirkungen besitzt und die Effekte von THC und weiteren Cannabinoiden unterstützt.

In einigen wenigen Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass CBC in Verbindung mit THC schmerzlindernd und beruhigend wirken kann. Ob CBC einen antidepressiven Effekt hat, wird aktuell noch diskutiert, ebenso die antibiotische Wirkung gegen antibiotikaresistente Keime.

Cannabinol (CBN) CBN wirkt leicht psychoaktiv und ist ein Oxidationsprodukt von THC. Vermutlich wirkt sich CBN schwach antagonistisch auf die Cannabinoidrezeptoren aus. Es wird davon ausgegangen, dass CBN eine beruhigende, antibakterielle und augeninnendrucksenkende Wirkung besitzt.
Cannabigerol (CBG) Beim CBG wird vermutet, dass es an die CB1-Rezeptoren andockt und dort antagonistisch gegenüber verschiedenen Cannabinoiden wie THC wirkt. Auch an den CB2-Rezeptor soll sich CBG binden. Die therapeutisch Wirkung von CBG ist noch nicht vollständig geklärt, es soll jedoch entzündungshemmend auf Darmerkrankungen, gegen Übelkeit und Erbrechen, antibakteriell, augeninnendrucksenkend sowie schmerzlindernd wirken.
Cannabicyclol (CBL) Über das Cannabinoid CBL ist bisher wenig bekannt. Forscher fanden heraus, dass sich CBL in seiner Struktur von anderen Cannabinoiden unterscheidet. Zudem ist CBL ein Abbauprodukt von dem Cannabinoid CBC. Auch das therapeutische Potenzial von CBL ist nicht ausreichend erforscht. US-amerikanische Wissenschaftler untersuchten in den frühen 1970er Jahren CBL zusammen mit weiteren Cannabinoiden und stellten hier fest, dass CBL nur eine geringe biologische Aktivität besaß.

Wenn die Cannabinoide aus der Cannabispflanze dem Körper zugeführt werden, binden sie sich an die Cannabinoidrezeptoren. Die unterschiedlichen Cannabinoide können verschiedene Effekte verursachen, je nachdem an welche Rezeptoren sie sich binden.

Da es eine Vielzahl an Cannabinoiden in der Cannabispflanze Sativa L. gibt, möchten wir im Folgenden nur auf die aktuell wichtigsten und bekanntesten Cannabinoide eingehen.

Synthetische Cannabinoide werden künstlich hergestellt und haben eine ähnliche Wirkung wie Phytocannabinoide. Kurz nachdem das Cannabinoid THC in den 1960er Jahren entdeckt wurde, wurden auch synthetische Cannabinoide entwickelt, die für die medizinische Forschung genutzt wurden.

Allerdings hat im Jahr 2008 die Kräutermischung „Spice“ für Aufsehen gesorgt, nachdem Konsumenten von Wirkungen berichteten hatten, die dem THC ähnlich waren. Nachdem die „Kräutermischung“ analysiert wurde, kam heraus, dass diese synthetische Cannabinoide enthielt. Im Jahr 2009 folgte dann das Verbot und die „Kräutermischung“ wurde aus dem deutschen Markt entfernt.

Synthetische Cannabinoide aktivieren genau wie THC die Rezeptoren im Endocannabinoidsystem, wobei sich die Wirkung unterscheiden kann. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich synthetische Cannabinoide stärker an die Cannabinoid Rezeptoren binden. Zudem enthalten sie kein CBD, das den Rausch des pflanzlichen THCs mildern kann und dem eine Schutzfunktion gegen psychotische Effekte nachgesagt wird. Demnach kann der Rausch durch synthetische Cannabinoide intensiver und halluzinogen ausfallen.